Du gehst einen gewöhnlichen Waldweg, einen von denen, die du vielleicht schon
hundertmal gegangen bist. Dann hebst du das Handy, und zwischen den Stämmen steht
ein Hirsch und äugt herüber. Weiter vorn sitzen zwei Kobolde am Ufer und fischen.
Über dem Wasser zieht ein Drache seine Runde, so nah, dass du den Kopf in den
Nacken legst.
Station für Station, eine Begegnung nach der anderen. Und ein alter Bär, der die
ganze Zeit mitgeht und erzählt, was hier los ist.
Keine Tafeln, keine Vitrinen, keine Führung. Die Wesen sind einfach
da, an ihrem Platz, und sie bleiben dort, auch wenn ihr um sie herumgeht. Welche
davon wo auftauchen, entscheidet der Weg: Jede Runde bekommt ihre eigenen
Bewohner und ihre eigene Geschichte. Die Bilder hier zeigen, woraus geschöpft
wird.
Der Hirsch im Gegenlicht
Er steht plötzlich da, viel näher als erwartet, hebt den Kopf und äugt.
Ein paar Sekunden lang traut sich niemand zu reden.
Die Kobolde am Ufer
Zwei kleine Kerle mit Ruten aus Haselzweigen, die sich um den größten Fisch
streiten und dabei laufend den Köder verlieren.
Die Schmiede der Zwerge
Unter einer Wurzel glüht das Feuer. Funken springen, der Hammer geht, und
auf dem Amboss liegt eine Klinge, die noch niemand tragen durfte.
Das Haus des Einsiedlers
Ein windschiefes Häuschen zwischen den Bäumen, Rauch aus dem Kamin. Wer
lange genug stehen bleibt, sieht, wer da drinnen wohnt.
Der Drache über dem Wasser
Wo ein Fluss ist, kann auch ein Drache sein. Er kommt von unten herauf,
dreht über der Strömung ab und ist größer, als er auf einem Bildschirm
sein dürfte.
Das Einhorn im Nebel
Ganz ruhig zwischen den Stämmen, halb im Dunst. Es lässt sich Zeit, und dann
ist es weg, als wäre nichts gewesen.
Dazwischen liegen die Stellen, an denen nichts angekündigt ist.
Ein Rascheln, und vor euch läuft ein Wildschwein den Hang hinunter. Und am Ende
jeder Runde wartet etwas, das hier nicht verraten wird.
Der schönste Nebeneffekt: Kinder, die sonst schwer vor die Tür zu
bekommen sind, gehen zwei Stunden durch den Wald und drängen zur nächsten Stelle.
Der Wald ist dabei nicht die Kulisse für das Handy – das Handy ist der Grund, ihn
endlich wieder anzuschauen.
Ihr geht nicht allein
Der Bär ist schon lange in diesem Wald. Er trägt einen abgewetzten Umhang, hat
einen Stock dabei und lässt sich nicht drängen. Zwischen den Stationen erzählt
er, wie das hier alles zusammenhängt: warum die Zwerge nachts schmieden, was der
Drache vom Fluss will und weshalb man das Einhorn besser nicht ruft.
Und wenn ihr einmal nicht weiterfindet, holt ihr ihn. Er gibt einen Hinweis,
ohne die Sache zu verderben.
Am Ende wisst ihr Dinge über diesen Wald, die auf keiner Tafel am Parkplatz
stehen.
Einmal in Bewegung
Wie sich das anfühlt, lässt sich schwer beschreiben. Also lieber
anschauen.
So läuft eine Runde
Drei Schritte, dann seid ihr unterwegs. Den Rest macht der Weg.
1
Runde öffnen
Am Wegbeginn steht die Adresse auf einem Schild. Eintippen oder Code scannen,
die Seite öffnet sich im Browser. Kein Download, kein Konto.
2
Losgehen
Die Karte zeigt den Weg und die nächste Stelle, die Entfernung läuft mit.
Seid ihr nah genug dran, wird der Knopf wach.
3
Kamera hoch
Das Wesen steht im Gelände vor euch, bleibt an seinem Platz, wenn ihr
herumgeht, und macht seine Sache. Dann geht es weiter.
Warum die erste Runde in Steyr steht
Weil ich von hier bin. Die Au an der Steyr ist einer dieser Wege, bei denen jeder,
der sie kennt, ins Schwärmen gerät: das Wasser, die alten Bäume, das Licht durch
die Kronen. Schön war sie immer. Jetzt wird sie auch noch spannend.
Danach kommen andere Orte. Der Almsee steht schon auf der Liste, und wo es sonst
noch hingeht, entscheiden die Gemeinden und Wirte mit, die mitmachen wollen.
Jeder Ort bringt seine eigenen Wesen mit.
Die Runden
Jede Runde hat ihre eigene kurze Adresse – kurz genug für ein Schild
am Wegbeginn.
Unterhimmelau
Steyr, Oberösterreich
20 Stationen
Rund zwei Stunden, gemütlich zu gehen
Hirsche, Kobolde, Zwerge, ein Drache über dem Wasser
Für Kinder ab sechs, für Erwachsene genauso
Am Ende etwas, das hier nicht verraten wird
4,90 € gilt 30 Tage, für bis zu drei Handys
Wird gerade fertiggestellt
Almsee
Salzkammergut
Wird eingemessen
Eigene Wesen, eigene Geschichte
In Planung
Ein Weg, den Familien zweimal gehen
Ein Fabelweg gibt einem vorhandenen Spazierweg einen Grund, ihn zu
gehen. Er braucht keine Einbauten, keinen Strom und nichts, was verwittert –
die Wesen sind nur durch die Kamera da. Was bleibt, ist ein Nachmittag, von dem
die Kinder daheim erzählen.
Eigene Wesen für euren Ort. Was bei euch erzählt wird, wird zur Figur.
Gibt es keine Überlieferung, erfinden wir eine, die passt.
Einmessen vor Ort. Jede Stelle wird abgegangen und auf den Meter genau
gesetzt, damit das Wesen dort steht, wo es hingehört.
Ein Schild am Wegbeginn. Mehr braucht es nicht. Die Adresse führt direkt
zur Runde.
Nichts zu warten. Keine App im Store, keine Updates, kein Gerät im Wald.
Die Kinder gehen freiwillig. Zwei Stunden im Wald ohne Diskussion, weil
hinter der nächsten Kurve etwas wartet.
Für Gasthäuser und Almen. Die Runde endet dort, wo eingekehrt wird.
Häufige Fragen
Was brauche ich dafür?
Ein Android-Handy aus den letzten Jahren und erlaubten Zugriff auf Kamera und
Standort. Kamera und AR ziehen ordentlich Strom: Startet mit vollem Akku, und
bei den längeren Runden ist eine Powerbank in der Tasche keine schlechte Idee.
An der Fassung für iPhones wird gearbeitet.
Muss ich etwas installieren?
Nein. Die Runde ist eine Webseite. Ihr öffnet die Adresse und geht los.
Wie lange dauert eine Runde?
Die Runde in der Unterhimmelau hat 20 Stationen, dafür sind rund zwei Stunden
zu rechnen – je nachdem, wie lange ihr bei den Wesen stehen bleibt. Die Wege
sind normale Spazierwege, kein Bergsteigen. Ihr könnt jederzeit aufhören und
später weitergehen, der Fortschritt bleibt erhalten.
Für welches Alter ist das?
Ab etwa sechs Jahren, in Begleitung. Nach oben gibt es keine Grenze – die
Wesen sind so gemacht, dass Erwachsene genauso hinschauen. Das Handy hält
meist einer, gesucht wird gemeinsam.
Was kostet es, und wie lange gilt der Kauf?
4,90 Euro für eine Runde. Der Zugang wird beim ersten Start scharf und gilt
dann 30 Tage für bis zu drei Handys – eine Familie geht gemeinsam und zahlt
einmal.
Was passiert mit meinem Standort und der Kamera?
Beides bleibt im Handy. Der Standort wird nur dort verglichen, um zu wissen,
ob ihr nah genug seid. Das Kamerabild wird nicht aufgezeichnet und nicht
übertragen. Es gibt keine Konten, keine Werbung und keine Verfolgung.
Und bei schlechtem Wetter?
Die Runde läuft das ganze Jahr, sie ist an den Weg gebunden und nicht an einen
Termin. Bei Nässe gilt das Übliche: festes Schuhwerk, und der Blick gehört dem
Weg, nicht nur dem Bildschirm.